Was ist eine Schweißanweisung (WPS)? WPS, WPQR und WPQ erklärt
Drei Dokumente, eine Nachweiskette.
Schweißanweisung, Verfahrensprüfung und Schweißerprüfung sind die drei Dokumente, auf denen jedes Qualitätssystem im Schweißen aufbaut. Dieser Ratgeber erklärt, wofür jedes davon da ist, was eine WPS enthalten muss und wie die drei voneinander abhängen – nach ISO und nach ASME Section IX.
Was ist eine Schweißanweisung (WPS)?
Eine Schweißanweisung – englisch Welding Procedure Specification, kurz WPS – ist die schriftliche Anweisung für eine bestimmte Schweißung. Sie legt die Schweißparameter fest – Verfahren, Werkstoffe, Zusatz, Gas, Position, Nahtvorbereitung, Strom, Spannung, Schweißgeschwindigkeit, Vorwärmung und mehr –, damit jeder Schweißer, der ihr folgt, eine Naht mit derselben, nachgewiesenen Qualität herstellt.
Das entscheidende Wort ist nachgewiesen. Eine WPS ist kein gutes Rezept, sondern muss durch einen Nachweis gedeckt sein, dass Nähte innerhalb ihrer Bereiche die Anforderungen erfüllen. Nach ISO 15607 wird die WPS über eines von mehreren Verfahren qualifiziert; nach ASME Section IX stützt sie sich auf einen oder mehrere Verfahrensprüfberichte. Vor der Qualifizierung heißt der Entwurf vorläufige Schweißanweisung (pWPS).
Den Inhalt einer WPS für das Lichtbogenschweißen legt ISO 15609-1 fest. ASME Section IX nennt die Parameter je Schweißverfahren und bietet ein Musterformular (QW-482); AWS D1.1 hat ein eigenes WPS-Formular und erlaubt zusätzlich vorqualifizierte WPS, die ohne Verfahrensprüfung verwendet werden dürfen, wenn alle Bedingungen des Codes erfüllt sind.
Was in einer Schweißanweisung steht
Formulare unterscheiden sich zwischen Normen und Betrieben, doch eine WPS für das Lichtbogenschweißen umfasst typischerweise diese Angaben:
- Kennzeichnung – Hersteller, WPS-Nummer und Revision, zugrunde liegende WPQR/PQR, angewandte Norm.
- Verfahren – Schweißprozess(e), zum Beispiel 111 (Lichtbogenhandschweißen), 135 (MAG) oder 141 (WIG) nach ISO 4063, und ggf. die Werkstoffübergangsart.
- Naht – Stoßart, Skizze der Nahtvorbereitung und des Lagenaufbaus, Badsicherung und Ausfugen.
- Grundwerkstoff – Werkstoffbezeichnung oder -gruppe, Dickenbereich und Außendurchmesserbereich.
- Zusätze und Gase – Bezeichnung, Hersteller und Durchmesser der Zusatzwerkstoffe, Schutz- und Formiergas.
- Position – Schweißposition(en) und bei Rohren die Schweißrichtung.
- Elektrische Parameter – Stromart und Polung, Strom-, Spannungs- und Geschwindigkeitsbereiche je Lage, ggf. Streckenenergie.
- Wärmeführung – Vorwärmtemperatur, maximale Zwischenlagentemperatur und eine eventuelle Wärmenachbehandlung.
- Technik – Strich- oder Pendellagen, eine oder mehrere Elektroden, Reinigung zwischen den Lagen.
Jeder dieser Werte muss im Geltungsbereich der zugrunde liegenden Verfahrensprüfung liegen. Deshalb beginnt jede neue Schweißanweisung mit der Suche nach der passenden WPQR.
WPS, WPQR und WPQ im Vergleich
Die drei Dokumente beantworten drei verschiedene Fragen. Sie zu verwechseln, gehört zu den häufigsten Feststellungen in Schweißaudits.
| WPS | WPQR / PQR | WPQ | |
|---|---|---|---|
| Beantwortet die Frage | Wie schweißen wir diese Naht? | Ist nachgewiesen, dass das Verfahren einwandfreie Nähte liefert? | Kann dieser Schweißer diese Naht schweißen? |
| Qualifiziert | — (sie ist die Anweisung) | Das Schweißverfahren | Die Person (Schweißer oder Bediener) |
| Grundlage | WPQR/PQR oder ein anderes Qualifizierungsverfahren | Ein geschweißtes und geprüftes Prüfstück | Ein geschweißtes und geprüftes Prüfstück |
| Wichtige Normen | ISO 15609-1, ASME IX, AWS D1.1 | ISO 15614-1, ASME IX, AWS D1.1 | ISO 9606-1, ASME IX, AWS D1.1 |
| Genutzt von | Schweißern in der Fertigung, Prüfern | Schweißfachingenieuren, Auditoren | Schweißaufsicht, Kunden, Prüfern |
| Ablauf | Kein eigenes Ablaufdatum | Kein eigenes Ablaufdatum | Ja – Bestätigung bzw. Nachweis der Kontinuität nötig |
WPQR oder PQR?
Beide Begriffe meinen dasselbe: den Bericht über eine bestandene Verfahrensprüfung. WPQR (Welding Procedure Qualification Record) ist der ISO-Begriff, etwa in ISO 15614-1. PQR (Procedure Qualification Record) verwenden ASME Section IX und AWS. Unser Ratgeber zur WPQR erklärt die Prüfungen im Detail.
WPQ, WPQR oder Schweißerzertifikat?
WPQ (Welder Performance Qualification) ist der ASME-Begriff für die Qualifikation des Schweißers; in der ISO-Praxis ist es die Prüfungsbescheinigung nach ISO 9606-1. Der Unterschied zur WPQR: Die WPQR qualifiziert das Verfahren, die WPQ die Person. Mehr im Ratgeber zur Schweißerprüfung.
Wie die drei zusammenhängen
In der Praxis bilden die Dokumente eine Kette vom Prüflabor bis in die Werkstatt:
- Eine pWPS beschreibt das Verfahren, das qualifiziert werden soll.
- Ein Prüfstück wird nach der pWPS geschweißt, untersucht und geprüft. Die Ergebnisse stehen in der WPQR/PQR.
- Aus der WPQR werden eine oder mehrere Schweißanweisungen für die Fertigung geschrieben – jeweils im Geltungsbereich.
- Schweißer werden durch eine Prüfung qualifiziert – ihre Schweißerprüfung (WPQ) – für die Verfahren, Werkstoffe, Dicken und Positionen, die sie schweißen werden.
- In der Fertigung ist eine Naht nur konform, wenn die WPS durch eine gültige WPQR gedeckt ist und der Schweißer eine gültige Prüfung besitzt, die diese WPS abdeckt.
Reißt ein Glied, ist die Naht nicht mehr rückverfolgbar: eine WPS außerhalb des Geltungsbereichs der WPQR, ein Schweißer, dessen Zertifikat letzten Monat abgelaufen ist, oder eine WPQR, die beim Audit niemand findet. Der größte Teil der Arbeit in der Schweißdokumentation besteht darin, diese Kette intakt zu halten, während sich WPS, WPQR und Personal ändern.
Häufige Fehler bei Schweißanweisungen
- WPQR in die WPS kopieren. Die WPQR enthält die Istwerte einer Prüfung; die WPS gibt Bereiche für die Fertigung an – die Bereiche, die die Norm erlaubt, nicht die einzelnen Prüfwerte.
- Bereiche außerhalb der Qualifizierung. Dicke, Durchmesser, Streckenenergie oder Vorwärmung wandern über das hinaus, was die WPQR abdeckt – oft nach mehreren Revisionen.
- Fehlender Bezug zur WPQR. Die WPS nennt nicht, auf welcher WPQR sie beruht, oder verweist auf eine überholte.
- Alte Revisionen in der Fertigung. Der Schweißer arbeitet mit einem Ausdruck, der seit Monaten ersetzt ist.
- Schweißer passt nicht zur WPS. Die WPS ist korrekt, aber das Zertifikat des Schweißers deckt Verfahren, Werkstoffgruppe oder Position nicht ab.
So geht es mit weldXpert
weldXpert hält die ganze Kette an einem Ort. Sie filtern Ihre WPQRs nach Werkstoff, Dicke oder Werten, wählen die passende für eine neue Schweißanweisung aus und lassen weldXpert die WPS daraus füllen – mit ISO, ASME IX oder AWS D1.1, berechneter Streckenenergie und gespeicherter Freigabehistorie. Schweißerprüfungen werden mit jeder WPS abgeglichen, und Ablaufdaten werden mit Farbwarnungen und E-Mail-Erinnerungen überwacht.
Fragen zu WPS, WPQR und WPQ.
Wofür steht WPS beim Schweißen?
WPS steht für Welding Procedure Specification, auf Deutsch Schweißanweisung: die schriftliche, qualifizierte Anweisung mit den Schweißparametern für eine bestimmte Naht, damit sie mit gleicher Qualität wiederholt werden kann.
Was ist der Unterschied zwischen WPS und WPQR?
Die WPQR dokumentiert eine Verfahrensprüfung – die verwendeten Istwerte und die Prüfergebnisse. Die WPS ist die daraus abgeleitete Fertigungsanweisung mit den Parameterbereichen, die die WPQR abdeckt.
Was ist eine pWPS?
Eine vorläufige Schweißanweisung: der Entwurf, nach dem das Prüfstück geschweißt wird. Nach bestandener Prüfung wird sie zur Grundlage der qualifizierten WPS.
Läuft eine Schweißanweisung ab?
Eine WPS hat kein eigenes Ablaufdatum. Sie bleibt nutzbar, solange die zugrunde liegende Qualifizierung gültig ist und die WPS im Geltungsbereich bleibt; Anwendungsnormen oder Kunden können zusätzliche Regeln festlegen.
Kann eine WPQR mehrere Schweißanweisungen abdecken?
Ja. Eine WPQR kann mehrere WPS stützen, solange jede im Geltungsbereich bleibt; nach ASME Section IX kann eine WPS auch auf mehreren PQRs beruhen.
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